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Post Privacy und Väterchen Datenschutz

Die Debatte, ob man nun der post-privacy Fraktion oder eher den echten Datenschützern angehört wird ja in letzter Zeit immer heftiger geführt. Was ich zunächst mal der neuen Kultur des Headline-Bangings zuschreiben würde – da lesen nämlich Leute einfach nur „post-privacy“ und schreiben gleich aufgeregte Blog-Kommentare, dass das ja gar nicht ginge und Scientology wäre usw. (so ähnlich wie ich selbst kürzlich schon einen durchformulierten Schmähartikel auf den Hersteller unserer neuen Spülmaschine vorbereitet hatte um in letzter Minute zu merken, dass wir die ganze Zeit mit Entkalker-Tabs für die Waschmaschine gespült hatten…).

Dennoch gibt es auch bei näherer Betrachtung ein paar interessante Punkte.

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Versicherungen ignorieren den Datenschutz

Mit grosser Freude habe ich heute festgestellt dass die Versicherungsbranche und Ihre Praktikten in Sachen Datenschutz aktuell endlich mal wieder am Pranger stehen. Insbs. die Praxis in einer zentralen Datei Antragsdetails Versicherer-übergreifend zu speichern und und verfügbar zu machen steht zu recht im Kreuzfeuer und wurde von Thilo Weichert vom ULD gerügt (siehe heutigen heise-artikel dazu).

Ich habe persönlich erst kürzlich einen unglaublichen Fall von Datenmissbrauch mit der Europa-Versicherung erlebt, und zwar so:

Ich hatte für meine Familie eine Risiko-Lebensversicherung in nicht zu grosser Höhe für den Fall der Fälle abgeschlossen. Genaugenommen hatte die Versicherung meine Frau abgeschlossen, ich war nur die versicherte Person. Nun ergab es sich wenige Monate später, dass meine Firma ebenfalls eine Risiko-LV auf meine Person abschliessen wollte um sich für einen Ausfall abzusichern. Da mir die Europa eine gute und halbwegs preisgünstige Wahl zu sein schien haben wir den Antrag einfach wieder dort eingereicht. Wohlgemerkt, Antragsteller war nun die Firma, versicherte Person natürlich wieder ich. Diesmal gab ich korrekterweise bei den medizinischen Fragen einen zwischenzeitlich festgestellten Bluthochdruck an.

Was nun passierte ist wirklich unglaublich. Auf den Firmenantrag selbst kam zunächst mal gar keine Reaktion. Wer stattdessen kommentarlos Post erhielt (vor allem ohne jegliche Info an mich oder die Firma geschweige denn eine Art Einverständnis) war meine Frau. Die Versicherung bedankte sich für die Mitteilung der zusätzlichen medizinischen Details. Nett, oder? Kurz darauf kam noch ein Schreiben in dem meine Frau darauf hingewiesen wurde, dass aufgrund eines nachträglich festgestellten Bluthochdrucks die abgeschlossene Risiko-LV in der Form leider nicht aufrecht erhalten werden könnte. Meine Frau wurde vor die Wahl gestellt entweder einen deutlich höheren Beitrag zu zahlen oder die Kündigung hinzunehmen. Vorsorglich wurde die Kündigung auch direkt schon ausgesprochen.

Da wurden also ohne jegliche Einwilligung medizinische Details die ich im Rahmen des Firmenantrags abgegeben hatte an meine Frau weitergeleitet und daraufhin auch Ihr Vertrag gekündigt. Das ist doch mal ein solides Verhältnis zum Datenschutz, hm? Auf meine empörte Nachfrage hin kam ein flapsiges Schreiben zurück das den ganzen Vorgang als rechtmässig darzustellen versuchte. Nicht dass ich meiner Frau meinen Bluthochdruck verheimlichen wollte, darum geht es nicht (nur falls jetzt wieder die „wir haben doch nichts zu verheimlichen-Fraktion“ um die Ecke gebogen kommt). Es hätte aber z.B. auch eine HIV Infektion sein können. Und beim nächsten mal wird vielleicht die Firma einfach mal über ein paar aktuelle news aus meiner Krankenakte informiert und zur Zahlung erhöhter Beiträge aufgefordert, hm?

Ganz abgesehen davon, dass der Umgang mit den Kunden in diesem Fall natürlich jeder Beschreibung spottet finde ich den Umgang mit vertraulichen Daten wirklich unter aller Sau. Da sind andere Datenschutzvergehen die derzeit in der Diskussion sind (z.B. studiVZ) wirklich absolut harmlos dagegen. Und es sprich alles dafür, dass der geschilderte Fall keine Ausnahme ist sondern eher die gängige Praxis der Versicherungen widerspiegelt. Wenn man jetzt noch überlegt welch vertrauliche Daten die von uns haben (man denke nur an private Krankenversicherungen z.B.) dann wird einem ganz schlecht. Ich würde mir wünschen, dass die Versicherungen für diese Praxis einen gehörigen Gegenwind erfahren, sowohl von Seiten der Verbraucher als auch von offizielleren Stellen.

Besonders perfide wird das Ganze übrigens wenn man bedenkt, dass der Staat immer mehr Leistungen wie z.B. die Berufsunfähigkeit faktisch an private Anbieter abgibt und wir insofern häufig nur die Wahl haben den Schutz entweder ganz zu verlieren oder uns den oben geschilderten Zuständen zu unterwerfen. Das ist wirklich ekelhaft.