Archiv der Kategorie: twitter

Schirrmacher, das Ipad und die freie Welt

Der gute Herr Schirrmacher hat sich ja nun auch länglich in seinem Blatt zum Ipad geäussert („Die Politik des Ipad“) – und einer seiner Mitarbeiter hat nochmal nachgelegt („Das Ipad ist nur eine Fernbedienung„). Ist ja dieser Tage auch irgendwie fast geboten Apple runterzuschreiben für seine dreiste Verfehlung und die unfassbare Knechtschaft die von diesem Konzern über uns ausgebracht wird.

Da wird also argumentiert, durch die apps und das restriktive Modell der Belieferung des Ipads über Itunes würde das Internet reglementiert und mit einer kommerziellen Zwangsherrschaft versehen. Ausserdem seien die Apps nur auf Konsum ausgelegt und überhaupt sei auch die Verhinderung von Flash letztlich der Versuch das freie Internet abzuschaffen.

Was mich dabei vor allem wundert, ist die Schwachbrüstigkeit dieser Argumentation, dieses Unvorbereitete, Dahingeworfene. Also etwas was ich von der faz so nicht direkt erwarten würde.

Denn ich halte die aufgestellten Thesen für ziemlichen Bullshit mit Verlaub. Klar ist die app-Kontrolle durch Apple restriktiv und so. Übrigens genauso wie die Buchlizenzpolicy beim Kindle, die Themenauswahl des Wirtschaftsteils der faz und das Vorabendprogramm des ZDF. Und im Vergleich zu den genannten ist die Vielfalt der Iphone-apps ein anarchistischer Zoo.

Aber was ich vor allem nicht nachvollziehen kann ist, warum das Ipad den User wieder zum passiven Medienkonsumenten mit Kreditkartenanschluss degradieren soll der das Gerät nur noch als Fernbedienung nutzen kann. Weil er seinen Content über eine App anstelle eines Browsers bezieht. Und weil das Ding kein Flash kann. Klar.

Ist denn einem der beiden Herren mal aufgefallen, dass einer der grossen Turbos hinter dem partizipativen Web das Iphone ist? Und apps darauf? Welcher Mechanismus bitte macht mich weniger interaktionsfreudig bloss weil ich ein Twittericon aufrufe das mit der Api kommuniziert vs. wenn ich das selbst in den Browser eingebe? Diese These ist doch völlig absurd – vermute da ist ein bisschen eifrige Frankfurter Schule Lektüre noch nicht verdaut.

Ist es nicht vielmehr genau andersherum? Das was mich beim Ipad am meisten fasziniert hat, sind die revolutionären Interaktionsmöglichkeiten bei der Steuerung von iwork. Die, wenn sie nur halbwegs so funktionieren wie in der Präsentation, für alle UX-Designer die Freudentränen in Strömen fliessen lassen werden. Ich glaube viele Leute kommen mit dieser Einfachheit nicht klar und müssen deshalb so eine Fernbedienungsmetapher bemühen. Der Clou ist aber, dass das Gerät evtl. tatsächlich so einfach ist wie eine Ferbedienung aber das Potential hat zu dem Interaktionsgerät im Haushalt schlechthin zu werden. Wohlgemerkt: Interaktionsgerät.

Eigentlich ist es mir ja egal wenn die beiden Autoren sich da ein bisschen verrennen. Aber was mich ärgert ist die Ignoranz die dahinter steckt, dieses fahrige Runterschreiben entlang einfacher Leitplanken anstatt sich auch nur einmal wirklich mit dem Gerät auseinanderzusetzen. Und dann kommt das auch noch mit so einem kulturkritischen Weihrauch-Impetus daher von dem Schirrmacher immer, Mann Mann.

Advertisements

Warum eigentlich @holadiho?

Deshalb:

Warum @holadiho kurz zu @holadiho2 wurde und dann wieder zurück

Das kam so: plötzlich stellte ich vor einigen Wochen fest, dass ich meine eigenen tweets nicht mehr in der Twitter-Suche finden konnte. Mir fiel das vor allem auf, weil ich auf meinem Blog nach Hashtags geordnete Sub-Stream angezeigt hatte um sozusagen thematische Mini-Feeds dort einzubinden. Die waren plötzlich alle leer. Wenn ich auf Konferenzen auf die Twitter-Wall schreiben wollte erschienen meine tweets plötzlich nicht mehr. Und so weiter. Dann verschwand ich plötzlich auch komplett aus der Account- und Personensuche von twitter.
Erst war es mir ein bisschen egal, lief ja alles erstmal weiter. Ausserdem dachte ich natürlich anfangs an einen temporären Fehler. Als es nach einiger Zeit noch immer nicht behoben war, schrieb ich an den Support und stellte dabei fest, dass wohl viele Leute so ein Problem haben. Bekam eine Standard-Antwort vom System. Später nochmal geschrieben – wieder Standard-Antwort (in dieser Antwort wird übrigens immer darauf hingewiesen, dass es leider eine Standard-Antwort wäre und man einfach auf „reply“ drücken solle falls das Problem damit nicht behoben wäre…).
Irgendwann wurde mir klar, dass die das Problem nie beheben würden. Aus irgendeinem Grund war ich wohl in eine Spam-Regel gefallen, das war die einzig brauchbare Erklärung. Und die Twitter-Jungs sagen dazu, dass es keinen Mechanismus gäbe solche Dinge rückgängig zu machen!

Nach langem Überlegen ob ich z.B. jetzt mal zum Realnamen-Account greifen sollte bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich wohl oder übel einen neuen Account anlegen müsste. Ich war einfach der @holadiho, oder?
Was ich dann auch getan habe.
Natürlich erstmal den alten Account umbenannt, kurz gewartet (Minuten), @holadiho neu registriert.
Nach etwa 10 Tagen tauchte dieser Account dann erstmal in der Suche auf, nochmal ein paar Tage später auch in der Personen-Suche.
Also alles wieder fein – nur dass meine geliebten Follower natürlich auf dem maroden @holadiho2 sassen (und noch sitzen).
Dafür habe ich keine andere Lösung als zum Rübermachen anzuregen. Sitze ja hier im ehemaligen Ost-Teil der Hauptstadt – die Mauer war etwa 50 m Luftlinie von hier (Warschauer Brücke). Passt also irgendwie.

Ich hoffe, dass Ihr das Chaos verzeiht und verstehen könnt. Vor allem aber, dass Ihr alle schön brav dem neugeborenen @holadiho folgt.

Noch eine Twitter-Bemerkung: wenn twitter es schaffen will wirklich ein professionelles Kommunikations-Tool zu werden auf das sich Geschäftsmodelle und auch Beziehungen gründen sollten sie ein paar Dollar in den Service investieren. So ist das wirklich ein bisschen russisch Roulette…

Twitter als Marketing-Tool ist Quatsch

Jetzt denkt jeder twitter sei das geniale neue Marketing-Tool wo man ständig in Kontakt mit der Zielgruppe ist (klingt z.B. in dem ansonsten lesenswerten Artikel von Holger Schmidt in der FAZ von heute durch).

Ich hoffe das sogar. Denn wenn ich zum Beispiel über die nervigen Elektronik-Bugs von meinem VW Touran tweete wünsche ich mir immer, dass da irgendwo ein armer Marketing-Praktikant an einem ausgemusterten Desktop-PC sitzt und aufgeregt search.twitter.com beobachtet. Und dann meinen tweet sieht, den ausdruckt und damit zum Produktmanager rennt mit aufgeregten Flecken im Gesicht. Der wiederum liest das und ist megabesorgt wegen meiner Autoprobleme. Werden natürlich sofort abgestellt. Man kauft dann für die zukünftigen Tourans einfach ein bisschen teurere Elektronik-Bauteile ein.
Weiterlesen

twitter kultiviert den polnischen Abgang

Das Prinzip follow und unfollow wird gemehinhin als großer Vorteil von twitter gesehen. Follow ist gut weil es eine Opt-In Rezeption ist – man also nur von Leuten liest für die man sich explizit entschieden hat. Und in unfollow wird sozusagen der umgekehrte Vorteil gelesen. Wenn einer nervt wird er unfollowed. Es werden regelrechte Unfollowing-Aktionen gemacht über die man dann euphorisch schreibt usw.

Scheint also alles perfekt zu laufen. Weiterlesen