Archiv der Kategorie: Produkte und Konsum

Warum Facebook mein Herz langsam erobert

Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht mehr genau, warum ich FB am Anfang nicht gut fand. Wahrscheinlich irgendwas Deutsches oder so, keine Ahnung. Jedenfalls habe ich heute – anlässlich dieser sehr schönen Analyse „Facebook vs. StudiVZ“ – nochmal darüber nachgedacht, und dabei festgestellt, dass Facebook sich Schritt für Schritt in mein Herz vorgearbeitet hat.

Inzwischen gehört es zum core-set meines digitalen Alltags, wird mehrfach geöffnet pro Tag, dient als Kommunikations- Entertainment und Distributionskanal usw. – das ist schon ein erstaunlicher Wandel. Und ganz klar ein Phänomen, das auf viele andere zutrifft. Zum einen stelle ich fest, dass gerade in den letzten Monaten unglaublich viele Geschäftspartner plötzlich da sind – die vorher nur auf Xing und Linkedin anzutreffen waren. Zum anderen weiss ich, dass sich meine Tochter – ehemals sozusagen permanent in SchülerVZ eingeloggt – inzwischen mehr auf FB aufhält als auf anderen Plattformen. Hinzu kommt noch mein Patenkind und meine Frau. Letztere ist auch so ein Phänomen, weil sie sehr datenschutz-sensibel ist und bisher überhaupt kein Social Network genutzt hat. Sie wurde von Freundinnen aufgefordert es zu nutzen. Bei dem kurzfristigen AGB-Debakel vor ein paar Monaten wollte sie direkt Ihren Account löschen – konnte sie grade noch abhalten.

Also offenbar eine breite, nachhaltige Entwicklung.

Es gibt natürlich zahlreiche Gründe dafür, die ich jetzt gar nicht alle herausfinden will. Ich will nur mal drei exemplarisch herausnehmen, die ich persönlich schön und gewissermassen wegweisend finde. Weiterlesen

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Schirrmacher, das Ipad und die freie Welt

Der gute Herr Schirrmacher hat sich ja nun auch länglich in seinem Blatt zum Ipad geäussert („Die Politik des Ipad“) – und einer seiner Mitarbeiter hat nochmal nachgelegt („Das Ipad ist nur eine Fernbedienung„). Ist ja dieser Tage auch irgendwie fast geboten Apple runterzuschreiben für seine dreiste Verfehlung und die unfassbare Knechtschaft die von diesem Konzern über uns ausgebracht wird.

Da wird also argumentiert, durch die apps und das restriktive Modell der Belieferung des Ipads über Itunes würde das Internet reglementiert und mit einer kommerziellen Zwangsherrschaft versehen. Ausserdem seien die Apps nur auf Konsum ausgelegt und überhaupt sei auch die Verhinderung von Flash letztlich der Versuch das freie Internet abzuschaffen.

Was mich dabei vor allem wundert, ist die Schwachbrüstigkeit dieser Argumentation, dieses Unvorbereitete, Dahingeworfene. Also etwas was ich von der faz so nicht direkt erwarten würde.

Denn ich halte die aufgestellten Thesen für ziemlichen Bullshit mit Verlaub. Klar ist die app-Kontrolle durch Apple restriktiv und so. Übrigens genauso wie die Buchlizenzpolicy beim Kindle, die Themenauswahl des Wirtschaftsteils der faz und das Vorabendprogramm des ZDF. Und im Vergleich zu den genannten ist die Vielfalt der Iphone-apps ein anarchistischer Zoo.

Aber was ich vor allem nicht nachvollziehen kann ist, warum das Ipad den User wieder zum passiven Medienkonsumenten mit Kreditkartenanschluss degradieren soll der das Gerät nur noch als Fernbedienung nutzen kann. Weil er seinen Content über eine App anstelle eines Browsers bezieht. Und weil das Ding kein Flash kann. Klar.

Ist denn einem der beiden Herren mal aufgefallen, dass einer der grossen Turbos hinter dem partizipativen Web das Iphone ist? Und apps darauf? Welcher Mechanismus bitte macht mich weniger interaktionsfreudig bloss weil ich ein Twittericon aufrufe das mit der Api kommuniziert vs. wenn ich das selbst in den Browser eingebe? Diese These ist doch völlig absurd – vermute da ist ein bisschen eifrige Frankfurter Schule Lektüre noch nicht verdaut.

Ist es nicht vielmehr genau andersherum? Das was mich beim Ipad am meisten fasziniert hat, sind die revolutionären Interaktionsmöglichkeiten bei der Steuerung von iwork. Die, wenn sie nur halbwegs so funktionieren wie in der Präsentation, für alle UX-Designer die Freudentränen in Strömen fliessen lassen werden. Ich glaube viele Leute kommen mit dieser Einfachheit nicht klar und müssen deshalb so eine Fernbedienungsmetapher bemühen. Der Clou ist aber, dass das Gerät evtl. tatsächlich so einfach ist wie eine Ferbedienung aber das Potential hat zu dem Interaktionsgerät im Haushalt schlechthin zu werden. Wohlgemerkt: Interaktionsgerät.

Eigentlich ist es mir ja egal wenn die beiden Autoren sich da ein bisschen verrennen. Aber was mich ärgert ist die Ignoranz die dahinter steckt, dieses fahrige Runterschreiben entlang einfacher Leitplanken anstatt sich auch nur einmal wirklich mit dem Gerät auseinanderzusetzen. Und dann kommt das auch noch mit so einem kulturkritischen Weihrauch-Impetus daher von dem Schirrmacher immer, Mann Mann.

Versicherungen ignorieren den Datenschutz

Mit grosser Freude habe ich heute festgestellt dass die Versicherungsbranche und Ihre Praktikten in Sachen Datenschutz aktuell endlich mal wieder am Pranger stehen. Insbs. die Praxis in einer zentralen Datei Antragsdetails Versicherer-übergreifend zu speichern und und verfügbar zu machen steht zu recht im Kreuzfeuer und wurde von Thilo Weichert vom ULD gerügt (siehe heutigen heise-artikel dazu).

Ich habe persönlich erst kürzlich einen unglaublichen Fall von Datenmissbrauch mit der Europa-Versicherung erlebt, und zwar so:

Ich hatte für meine Familie eine Risiko-Lebensversicherung in nicht zu grosser Höhe für den Fall der Fälle abgeschlossen. Genaugenommen hatte die Versicherung meine Frau abgeschlossen, ich war nur die versicherte Person. Nun ergab es sich wenige Monate später, dass meine Firma ebenfalls eine Risiko-LV auf meine Person abschliessen wollte um sich für einen Ausfall abzusichern. Da mir die Europa eine gute und halbwegs preisgünstige Wahl zu sein schien haben wir den Antrag einfach wieder dort eingereicht. Wohlgemerkt, Antragsteller war nun die Firma, versicherte Person natürlich wieder ich. Diesmal gab ich korrekterweise bei den medizinischen Fragen einen zwischenzeitlich festgestellten Bluthochdruck an.

Was nun passierte ist wirklich unglaublich. Auf den Firmenantrag selbst kam zunächst mal gar keine Reaktion. Wer stattdessen kommentarlos Post erhielt (vor allem ohne jegliche Info an mich oder die Firma geschweige denn eine Art Einverständnis) war meine Frau. Die Versicherung bedankte sich für die Mitteilung der zusätzlichen medizinischen Details. Nett, oder? Kurz darauf kam noch ein Schreiben in dem meine Frau darauf hingewiesen wurde, dass aufgrund eines nachträglich festgestellten Bluthochdrucks die abgeschlossene Risiko-LV in der Form leider nicht aufrecht erhalten werden könnte. Meine Frau wurde vor die Wahl gestellt entweder einen deutlich höheren Beitrag zu zahlen oder die Kündigung hinzunehmen. Vorsorglich wurde die Kündigung auch direkt schon ausgesprochen.

Da wurden also ohne jegliche Einwilligung medizinische Details die ich im Rahmen des Firmenantrags abgegeben hatte an meine Frau weitergeleitet und daraufhin auch Ihr Vertrag gekündigt. Das ist doch mal ein solides Verhältnis zum Datenschutz, hm? Auf meine empörte Nachfrage hin kam ein flapsiges Schreiben zurück das den ganzen Vorgang als rechtmässig darzustellen versuchte. Nicht dass ich meiner Frau meinen Bluthochdruck verheimlichen wollte, darum geht es nicht (nur falls jetzt wieder die „wir haben doch nichts zu verheimlichen-Fraktion“ um die Ecke gebogen kommt). Es hätte aber z.B. auch eine HIV Infektion sein können. Und beim nächsten mal wird vielleicht die Firma einfach mal über ein paar aktuelle news aus meiner Krankenakte informiert und zur Zahlung erhöhter Beiträge aufgefordert, hm?

Ganz abgesehen davon, dass der Umgang mit den Kunden in diesem Fall natürlich jeder Beschreibung spottet finde ich den Umgang mit vertraulichen Daten wirklich unter aller Sau. Da sind andere Datenschutzvergehen die derzeit in der Diskussion sind (z.B. studiVZ) wirklich absolut harmlos dagegen. Und es sprich alles dafür, dass der geschilderte Fall keine Ausnahme ist sondern eher die gängige Praxis der Versicherungen widerspiegelt. Wenn man jetzt noch überlegt welch vertrauliche Daten die von uns haben (man denke nur an private Krankenversicherungen z.B.) dann wird einem ganz schlecht. Ich würde mir wünschen, dass die Versicherungen für diese Praxis einen gehörigen Gegenwind erfahren, sowohl von Seiten der Verbraucher als auch von offizielleren Stellen.

Besonders perfide wird das Ganze übrigens wenn man bedenkt, dass der Staat immer mehr Leistungen wie z.B. die Berufsunfähigkeit faktisch an private Anbieter abgibt und wir insofern häufig nur die Wahl haben den Schutz entweder ganz zu verlieren oder uns den oben geschilderten Zuständen zu unterwerfen. Das ist wirklich ekelhaft.

Milka und Barmer

Nur mal grad so rausgegriffen aus dem aktuellen Stream:

1. Milka: welcher Schwachkopf hat entschieden dass es dieses neue Milka-Papier geben soll? Diesen schwachen Rittersport-Abklatsch. Diese Plastik Verpackung. Kein Knistern mehr, kein Auspacken. Wird nur noch ordinär aufgerissen. Wisst Ihr eigentlich wie sehr zum Milka-Erlebnis die Verpackung gehörte, insbs. dieses wunderbare Alu-Papier? Mann mann…

2. Barmer: Ihr schickt mir heute einen Adventskalender als Weihnachtsgruss. Natürlich einen aus Papier, also „ohne was drin“ wie man früher zu sagen pflegte (als man noch die Kalender von hinten ausgeräumt und sich am nächsten morgen verwundert gezeigt hat warum das Ding total leer verkauft wurde). Dafür enthält jedes Türchen einen Tipp für eine gesunde Adventszeit. Super. Liegt schon im Altpapier, deshalb keine Details (ausserdem dann doch Angst vor schlechtem Omen falls ich es aufmachen würde). Was habt Ihr Euch denn dabei gedacht? Also habt Ihr wirklich irgendeine Zielgruppe parat die das toll finden soll? Sinnloser gehts echt nicht, wird Zeit zu wechseln. Bin mal gespannt was die Jungs von Gildemeister verschicken z.B….

Induktion rules

Also für alle die mal einen neuen Herd kaufen wollen/müssen: Schafft Euch unbedingt etwas mit Induktion an! Mir ist es eigentlich unbegreiflich warum das noch nicht viel stärker verbreitet ist, denn es ist wirklich eine grossartige Innovation. Normalerweise ist man ja so runtergekühlt mit seinen Erwartungen wegen der ganzen hohlen Versprechungen revolutionäre Neuerung hier und da dass man einen echten Mehrwert gar nicht mehr erwartet.

So ging es mir auch erstmal als der Verkäufer mich von meinem Gasherd-Traum abbringen wollte mit dem Hinweis auf Induktion. Auch die „Demonstration“ vor Ort hat mich kurz ein bisschen beeindruckt (Topf mit Wasser zum Kochen gebracht), habe es aber irgendwie für fake gehalten.

Dann dennoch gekauft, und ich muss sagen: nie wieder ohne!

Insbs. Bosch hat wohl noch eine Zusatz-Sache entwickelt, einen „Power-Knopf“. Wenn man den betätigt surrt es kurz ein bisschen bedenklich und das Wasser (oder was auch immer) kocht wirklich sensationell schnell – deutlich schneller als mit Gas! Das ist so faszinierend, dass wir es häufig ein Thema ist wenn wir Besuch haben (ja, weiss schon, wir sind eine coole Familie ;-)) und wir kurze Vorführungen machen müssen.

Ist aber wirklich beim Kochen ein Riesen-Vorteil, aus drei Gründen:

1. die Regulierbarkeit ist viel besser, d.h. wenn man abdreht geht die Hitze auch _sofort_ runter, ähnlich wie bei Gas

2. die Platte wird kaum heiss (Induktion=die Energie wird direkt in den Topf-Boden induziert). Wenn man also mal was überkocht (Milch z.b.) ist es nicht schlimm, man kanns einfach wegwischen

3. man hat mehr Power zur Verfügung, z.B. beim Anbraten. Ähnlich wie mit Gas.

Dass die Platte nicht heiss wird ist übrigens auch ein grosser Vorteil wenn man Kinder hat oder schonmal die „hab ich den Herd ausgemacht“ Neurose pflegt. Wenn kein Topf draufsteht passiert nämlich rein gar nichts, ist also egal ob er dann an oder aus ist.

Kleiner Nachteil: Ist alles elektronisch und habe es z.B. zum ersten Mal erlebt dass mein Herd sich „aufgehängt“ hat, d.h. er musste rebooted werden (Sicherung raus). Stand wirklich so in der Anleitung. Läuft wahrscheinlich unter Windows…

Nein Sony, das stimmt nicht

„Sagen Sie uns, wie zufrieden Sie mit Ihrem VAIO sind.Sony arbeitet unablässig daran, seine Produkte und Dienstleistungen weiter zu verbessern.
Ihre Meinung spielt hierbei eine sehr wichtige Rolle. „