Sun Microsystems du fehlst schon jetzt

Was für eine Hammer-News: Sun wird von Oracle gekauft!

Das ist natürlich bitter für Sun und bitter für die ganze IT-Gemeinde. Bitter aber vor allem für die Hardcore Sun-Fans zu denen ich mich auch zähle.

Meine erste Begegnung mit Sun-Rechnern war so 1999 bei der GMD – heute Fraunhofer Gesellschaft. Dort gab es immer zwei Klassen von Leuten. Die Deppen die mit PCs gearbeitet haben und die Heiligen die entweder eine Sun unter dem Schreibtisch stehen und/oder Zugriff auf eine solche hatten. Man sprach ja auch nur heilig von „der Sun“. Man konnte auf „der Sun“ Dinge tun die auf anderen Systemen undenkbar waren. Sie war unkaputtbar, sah cool aus und flösste irgendwie ziemlich viel Ehrfurcht ein. Man hatte den Eindruck es geschafft zu haben wenn man nur mal eines Tages einen Login auf einer solchen Maschine sein eigen nennen könnte.

Dann kam mein erstes Personalisierungsprojekt für einen grossen Kunden (N24). Meine frühe Sun-Bindung wurde in diesem Projekt aus zwei Gründen massiv verstärkt. Zum einen durften wir für den Kunden zwei unfassbar teure Sun-Sparc-Server anschaffen. Die kosteten damals so um die 100K DM das Stück. Und sie wurden nur angeschafft um „meine“ Software drauf laufen zu lassen, wow! Ich hatte also auch meinen ersten Login!

Aber es gab noch ein viel einschneidenderes Erlebnis davor: Um einen grösseren Last-Test zu machen den der Kunde gefordert hatte suchten wir nach einer günstigen Möglichkeit das zu tun ohne grosse Hardware selbst anschaffen zu müssen (das konnten wir uns nicht leisten). Also kontaktierten wir Sun und die schickten uns ins damalige Performance-Zentrum nach Frankfurt. Dort konnte man in einer Labor-artigen Situation diverse Sun-Systeme zeitweise für solche Experimente mieten. Das war schonmal an sich beeindruckend weil in dem Server-Raum dort alles aufgeboten wurde was Sun aktuell zu bieten hatte, also auch eine E10K. Das war ein fetter, mannshoher Kühlschrank der damals zig Einschübe mit insgesamt bis zu 128 Sparc II CPUs beherbergen konnte. Das Ding hatte zwei unabhängige Stromanschlüsse und das waren armdicke Kabelstränge die unten rauskamen und in den Boden geführt wurden. Der Administrator führte uns vor wie man im laufenden Betrieb eines der Mainboards herausnehmen konnte ohne dass es zu irgendeinem Problem kam. Dieser Server kostete damals etwas mehr als 1 Mio DM!

Angeschlossen an dieses Performance-Center war ein kleines Sun-Museum das wohl hauptsächlich in Eigeninitiative der Leute dort aufgebaut worden war. Das war schon total beeindruckend und wirklich liebevoll wie die dort Ihre Maschinchen pflegten und voller Stolz erklärten was der oder jener Rechner damals schon konnte (z.B. hatten die schon extrem früh sehr ausgereifte thin-client Lösungen am Start, Jahre vor dem produktiven Einsatz sozusagen).

Danach wars um mich geschehen. Zu der Sun-Begeisterung zählten aber mehrere Komponenten. Zum einen die konsequente Ausrichtung auf Qualität und Performance (bei völliger Ignoranz des Preises). Zum anderen war Sun einfach eine super coole Firma. Sie hatten Java entwickelt und es irgendwie als einzige weltweit nie verstanden Geld zu verdienen. Das war sympathisch. Sie beschäftigten angenehme und extrem fitte Unix-Freaks die alle voller Leidenschaft und Begeisterung für diese Firma gearbeitet, man könnte sagen gebrannt haben. Sun Leute hatten manchmal fast sowas entrücktes, man hatte auch irgendwie nie das Gefühl, dass es irgendeine Sales-Stresserei gab bei denen – die mussten nicht verkaufen, die wurden gekauft. Und die hatten natürlich offenbar ein sehr kluges und gut gemachtes Marketing (vermute ich mal).

Es gab dann noch vor einigen Monaten so eine sphärische Zwischenespisode in meiner Liebe zu dieser Firma: der Niagara II kam raus. Das war schon ein Hammerteil – denn es war faktisch eine E10K auf einem einzigen Chip! Das Ding konnte 64 threads parallel abarbeiten und bis zu 64GB Speicher adressieren dabei. Ich habe den Chip selbst auf einer fast religiösen Veranstaltung von Sun in der Hand gehalten. Natürlich haben wir auch ein Testexemplar des zugehörigen Servers bestellt und ich habe meine Entwickler belagert mit dem Wunsch unser System darauf zum Laufen zu bekommen. Ist aber leider aus unterschiedlichsten Gründen dann von der Agenda gestrichen worden.

Auch heute noch ist es so, dass alle Systeme die meine Firma betreibt auf Sun-Servern laufen. Sind allerdings relativ uncoole Intel-System (bzw. AMD). Aber es ist schon faszinierend, denn wir haben faktisch überhaupt keinen Stress mit Hardware-Ausfall und die Teile kosten heutzutage nicht mehr als ein Server der Konkurrenz. Das ist wirklich beeindruckend.

Wir haben natürlich den Sünden-Fall begangen und betreiben die Dinger nicht mit Solaris sondern mit einem Linux. Wie böse.

So, und jetzt ist Sun also von Oracle gekauft worden. Bitter. Ich glaube viele andere Optionen wären besser gewesen, denn Oracle ist nicht gerade dafür bekannt Unternehmen in Ihrer Substanz zu erhalten. Und selbst wenn – von der oben beschriebenen Sun-Kultur wird sicherlich kaum etwas übrigbleiben. Das ist sehr sehr schade.

Farewell!

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3 Antworten zu “Sun Microsystems du fehlst schon jetzt

  1. Schön aufgepinselt! Fast könnte man meinen, du wärst gar kein Businesskasper. =) Und ja, viele Systemheinis werden heute schlecht schlafen …

  2. >und es irgendwie als einzige weltweit nie >verstanden Geld zu verdienen.

    Das stimmt nicht… T-Systems hat auch noch nie selbst Geld verdient. Waren deswegen aber noch lange nicht cool.

  3. hm bin dann gespannt wie es mit den Projekten so weiter gehen wird.

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