brandeins ist oft nur hohles Gequatsche

Mir ist gerade etwas klargeworden worüber ich im Prinzip nachdenke solange ich die brandeins lese – und das ist schon lange…

Die brandeins ist natürlich erstmal ein tolles Wirtschaftsmagazin das sich angenehm von den anderen am Markt abhebt. Weniger BWLer Lektüre, weniger Tagesgeschäft und Aktienkursfixiert, visionärer, besser geschrieben.

Jedes Magazin hat natürlich trotzdem seine Schwachstellen – im Fall der brandeins sind das ganz klar die (alle) Texte von Wolf Lotter der irgendwas mit der Herausgeberin haben muss weil man sich anders nicht erklären kann wieviel Platz ihm im Heft eingeräumt wird. Leider werden ihm so oft wichtige Aufmacher-Artikel zugeschoben die dann halt komplett unlesbar sind – so what. Das Editorial der Herausgeberin wiederum ist auch nicht grad ein Magnet der einen in das Heft reinzieht aber das gelingt beim Editorial ja auch nur selten.

Aber eine Sache beschäftigt mich schon lange ich konnte sie nur nie benennen – so ein Unbehagen und eine zurückbleibende leise Unzufriedenheit beim Lesen der Texte die meist von irgendwelchen Unternehmen handeln.

Und heute morgen ist mir plötzlich klargeworden was es ist: es ist diese grundaffirmative fast schon pseudojournalistische Plauderei die da faktisch meist veranstaltet wird. Anders gesagt: die meisten Texte könnten ohne Zweifel auch genau so von der jeweiligen Pressestelle der Unternehmen geschrieben worden sein. Bei mir bleibt da oft so ein schales Gefühl wie wenn ich mit einer Tante mal wieder über das Schicksal irgendeiner entfernten Verwandten sprechen musste. Kein wirkliches Interesse, keine kritischen Fragen, bestenfalls symbolisches Kratzen an der Oberfläche. Vor allem aber ist das immer ein Kreisen um sich selbst anstelle eines Eindringens in den Gegenstand.

Bei meiner Tante komme ich damit schon klar (die kann ich auch nicht abbestellen), aber bei der brandeins ärgert es mich zunehmend.

Schaut Euch das einfach mal an (dafür gebührt der brandeins übrigens ein grosses Lob, denn alle diese affirmativen Gequatsche-PR-Artikel sind online verfügbar im Archiv), z.B. für das aktuelle Heft (Inhaltsverzeichnis hier brand eins Magazin – Gute Nachrichten). Da gibts z.B. den Artikel über Viking, den Hersteller von Rettungsequipment. Da wird ein bisschen über die Gefahren der Hochsee geplaudert, da kommt mal der Chefingenieur und mal der Entwickler zu Wort und es wird auch ein bisschen die Tatsache angehaucht dass viele Schiffe mit zu schlechter Ausstattung unterwegs sind. Ach ja, wer hätte das gedacht. Ist aber doch ein tolles Unternehmen dieses Viking aus Dänemark.

Es gäbe noch zig weitere Punkte um zu illustrieren wie hier eine affirmative story nach der anderen vom Stapel gelassen wird – auch die „Welt in zahlen“ und das Portrait einer Lehrerin auf Kuba usw. fallen letztlich in die Kategorie „Frau eines wohlhabenden Hamburger Kaufmanns wünscht sich anregende Nachmittagslektüre“.

Und dass man mich nicht falsch versteht – ich erwarte nicht zwingend dass ein alternatives Wirtschaftsmagazin die Unternehmen runterschreiben und immer gleich Skandale aufdecken muss usw. (das wäre bei brandeins sowieso vollkommen undenkbar).

Aber was ich von gutem Journalismus erwarte ist ein Blick hinter die Kulissen, hinter die Ebene der Broschüren und PR-Texte und nicht nur die Simulation davon. Die wahre und ganze Geschichte hinter all diesen klugen Unternehmerheinis ist wenn man genau hinschauen würde doch immer ein bisschen komplexer, mit mehr Untiefen und auch dunklen Stellen. Das wäre lesenswert liebe brandeins.

Na ja ich mache mir da nicht viel Hoffnung – bin aber jetzt eigentlich ganz glücklich weil ich mein jahrelanges Unbehagen endlich aufgeklärt habe. that made my day.

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10 Antworten zu “brandeins ist oft nur hohles Gequatsche

  1. Pingback: Hardy Homann von der brandeins philosophiert über meinen Gürtel « beim Nollar (aka @holadiho)

  2. Ich bin ja vielleicht ein bisschen spät dran mit diesem Kommentar .. und er kommt auch nur wegen deinem nach-bloggen, aber …

    Im Grunde hast Du mit vielen Dingen schon recht. Manchmal ist der positive Tenor der brandeins schon anstrengend und penetrant – andererseits ist genau das aber auch das Markenzeichen des Hefts und ein in meinen Augen angenehmer Charakterzug. Es gibt ja schon genug sich knallhart-investigativ gebende, im arrogant-nöligen Spiegel-Stil geschriebene Magazine im deutschen und angloamerikanischen Blätterwald. (Das schreibt ein Spiegel-Abonnent seit 25 Jahren. 😉 Ich finde das schadenfrohe, grundsmisstrauisch-nörgelige Herunterschreiben von Personen, Themen und Firmen in diesen Blättern auf sehr ähnliche Art genau so anstrengend zu lesen, wie Dich der brandeins Tenor nervt. 😉

    Keine Ahnung. Vielleicht liegt das Optimum irgendwo dazwischen.

    Neu leider gibt es diese Publikation (scheinbar) nicht. Der größte Teil der Wirtschaftpresse scheint sich lediglich zwischen sensationsheischenden Investigativ-Journalismus und übelkeit erregender Heldenverehrung von Wirtschaftführern (die oft genug ein Jahr runtergeputzt werden, wenn sich ihre titanischen Leistungen als kollossale Fehlentscheidungen erweisen) zu bewegen.

    Da ist die brandeins oft herrlisch unaufgeregt. Und …

    … man kann sie auch ein Jahr später noch lesen, ohne dass das Geschriebene „alt“ wirkt 😉

  3. Hallo Markus,
    das sehe ich im Prinzip ganz genauso. Finde nach wie vor, dass brandeins das beste Wirtschaftsmagazin in Deutschland ist (sagt natürlich auch was aus wie gut die anderen sind). Der Artikel bringt ja eher eine sehr persönliche Sache zum Ausdruck, nämlich dass ich persönlich diese Art des affirmativen Journalismus derzeit nicht mehr gut abkann.
    „Richtige“ Wirtschaftsartikel bekomme ich unverstellter und professioneller in der FAZ, und die eher hintergründigen Artikel die ich meine vielleicht am ehesten in der ZEIT. Spiegel finde ich da auch eher zu nervig – auf der anderen Seite kommt man um den auch nicht herum…

  4. Hallo Stephan, mit PH,
    manchnmal frage ich mich echt, ob Ihr nichts anderes zu tun habt, als kluge Kommentare ind genauso klugen Blogs abzugeben. Mein Gott, jetzt entspannt Euch doch einfach mal. Manchmal lese ich in der Bandeins über Unternehmen, die ich bis dato noch gar nicht kannte oder whrgenommen habe. Das ist doch schon mal was. Ihr Interlektuellen müsst immer alles reflektieren und hinterfragen. NimmDir den Spiegel von vor einem Jahr, dann wirst Du sehen, dass es sich auch hier immer noch aktuell lesen lässt. Alles weiderholt sich ständig. Ich kann nur vorschlagen, schreibt selber Artikel und gründet ein eigenes Magazin. Nur denkt daran, dass es nicht zu sehr affirmativ klingen sollte… Shit

  5. Kasi – ich habe gar kein Problem mit einem affirmativen Magazin – ich lese ja auch begeistert die Gala. Aber wenn Du PR-Infos über neue Unternehmen spannend findest (was ich verstehen kann) brauchst Du nicht extra die brandeins lesen, da reicht ein feed von openpr.de oder so.

  6. Das genialste ist einfach die brandeins beim Autofahren zu hören (für Abonennten podcast kostenlos!) Da habe ich die Zeit, mir Wolf Lotters Texte anzuhören und finde sie klasse, weil mal jemand über den Tellerand denkt. Und offensichtlich hat Gabriele Fischer nicht nur zu ihm, sondern zu allen Redakteuren eine gute Beziehung, denn alle Autoren mit denen ich bisher zu tun hatte, haben ihre Kompetenz so gelobt, wie ich das ganze Heft.

  7. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Geht mir mit vielen anderen Fachzeitschriften auch so. Am Anfang findet man die super und innovativ. Aber irgendwann wird’s dann langweilig und die Artikel meistens vorhersehbar. Das ist ein bisschen wie diese unsäglichen, pseudowissenschaftlichen Shows auf den Privatsendern. Hinterher hat man das Gefühl das der Anteil an geopferter Lebenszeit für das Konsumieren in einem schlechten Verhältnis zum Informationsgewinn steht.

    Aber wie würde die Alternative aussehen? Besser, tiefer recherchierte Artikel, ggf. anspruchsvoller geschrieben? Sicher wünschenswert. Aber ich befürchte der unternehmerische Druck verbietet bei einem halbwegs bezahlbaren Consumer-Produkt wie der „brand eins“ diesen Weg. Denn dann würden die „Laufkundschaft“ am Kiosk bestimmt beim schnellen Durchblättern abgeschreckt werden. Der Inhalt wäre schwerer zu erschließen auf den ersten Blick und als Lektüre „nebenbei“ wäre sie dann nicht mehr geeignet.

  8. Es tut mir leid, aber wenn man von gutem Journalismus in deutschen Landen sprechen möchte, dann gibt es da nicht viel. Weder die klassischen Nachrichtenmagazine, noch Tageszeitungen, Radio oder TV bieten – bis auf wenige Ausnahmen – guten Journalismus. Aber: Wie denn auch? Es wurde ein System geschaffen, in dem „freie“ Journalisten sich mit allem ein bisschen und mit nichts wirklich beschäftigen. Woher soll da guter Journalismus kommen? Diesen freien Journalisten kann man keinen Vorwurf machen – sie verdienen ihre Brötchen. Aber wirklich guter Journalismus geht nur, wenn man entweder einen guten Namen hat (und dann hat man auf Journalismus zumeist keinen Bock mehr) oder aber sich emotional an ein Medienunternmehmen gebunden fühlt. Richtig, es geht umVertrauen und Wertschätzung. Und das entsteht beides nur, wenn man lange gut zusammenarbeitet (und auch dann nur im best case). Es ist daher extrem abwegig, der Chefredakteurin eine Beziehung zu einem der Redakteure zu unterstellen. Und zudem auch frauenfeindlich. Ist das echt das Erste, was Dir zu der Kritik an Brand1 einfällt?
    Im übrigen finde ich es spitze, dass auf Kritik an Brand1 von einem Vertriebler (!) so empfindlich reagiert wird. (https://beimnollar.wordpress.com/2009/05/02/hardy-homann-von-der-brandeins-philosophiert-uber-meinen-gurtel/)
    Was gibt es Besseres als Mitarbeiter, die zu ihrem Produkt/Unternehmen stehen – selbst wenn anderen Unternehmensteile angegriffen werden?

    Und zuletzt: Ist es PR, wenn man versucht, das Gute an einer Idee herauszuarbeiten? Und selbst wenn: Wenn PR es schafft, in mir zig Aha-Erlebnisse zu erzeugen, wirtschaftsphiliosophisch nachdenklich zu werden, neugierig zu bleiben und wirtschaftspolitische Zusammenhänge zu erkennen, dann lese ich Brand1 auch gern als PR-Magazin.

  9. Ja, da hat jeder doch eine eigene Ansicht zu…besonders diese ganzen Abonennten, die dem Magazin beständigen Zuwachs bescheren. Ganz bescheiden merke ich mal an, dass ich seit 8 Jahren auch dazu gehöre….also mir so einen kleinen Überblick verschafft habe. Ja, die eine oder andere Kritik…stimmt…aber mir gefällt besonders, dass ich nicht immer damit konfrontiert werde, dass die Welt eben ein schlechter Ort ist. Klar weiß ich, dass sogar die Eltern von Schulkindern die Kasse plündern, wenn es dem privaten Interesse dienlich ist…zu Lasten der Gemeinsschaft, die in der Öffentlichkeit so hochgejubelt wird, dass man blöd angeschaut wird, wenn man nicht zu diesen so elend doofen und langweiligen Versammlungen kommt….die diese Leute „Fest“ nennen. BE ist immer wieder neu spannend, weil die an ein Thema immer anders rangehen…und klar, da fehlt manchmal auch die polemische Betrachtung einer Firma. Ich bin selbst so ein Obermacker….und habe eine Firma und ich sags ganz ehrlich: Nirgendwo läuft alles mustergültig, irgendwo macht man immer mal was falsch. Aber, ich lerne immer wieder aus B1, wie ich es besser machen kann: Und genau das zählt für mich…ganz persönlich . Und dass ich nie den Mut verloren habe, und mutiger geworden bin! B1 richtet mich immer wieder auf… und ich tät glatt den doppelten Betrag zahlen, wenn es erforderlich wäre! Und Wolf Lotter ist ein super Journalist…und weder mit Gabriele Fischer liiert (die ist doch verheiratet!), noch sonstwie doof drauf. Der Mann hat was zu sagen…auch wenn das jeder für sich entscheiden darf, was das ist.
    Tolln Tach noch!

  10. Fabian Zahradnyik

    Die Perspektive aus der durch Brand Eins in die Welt gesehen wird,
    ist eine positiv, gehobene.
    Artikel sind etwas heller koloriert, hin zur Motivation.
    Ein – vielleicht auch zu – freundlich unterhaltender Entwurf von Wirtschaft und Wirklichkeit.
    Brand Eins wird voraussichtlich stets zwischen Unterhaltung und Information balancieren.
    Nur gibt Unterhaltung – auch wenn sie interdisziplinär vernetzend und visionär erscheint – unseren eigenen Perspektiven den nötigen Ausblick um weiter in dieser Form existieren zu können. Unser Handlungsvermögen hängt stark von Austausch und von einer ganzheitlichen Betrachtung des Kontexts ab. Grundlegende Mechanismen und Probleme sollten immer wieder kritisch behandelt werden.
    Brand Eins fokussiert etwas rigide auf den funktionierenden Teil der Wirtschaft und bietet problematischen Panoramen wenig Exposition.
    Brand Eins tendiert eher zur Darstellung von Wirtschaft als Katalysator denn zur kritischen Analyse schlechter Auswirkungen des bestehenden Systems auf unsere und andere Gesellschaften.
    Vielleicht eine Frage der Zielgruppe?

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