Monatsarchiv: März 2009

Familienabend mit Schwiegermutter und Youtube Zapping

Kürzlich hatten wir hier einen wirklich bemerkenswerten Familienabend. Die Schwiegermama aus Köln war zu Gast und wir hingen so auf dem Sofa ab, eigentlich eine typische Fernsehstimmung.

Dann sind wir aber bei youtube gelandet. Die Schwiegermama hat eine ausgedehnte Hippie-Vergangenheit und hat zahlreiche heute berühmete Konzerte live miterlebt. Da haben wir dann ein youtube Wunschkonzert veranstaltet, jeder durfte reihum immer etwas wünschen und wir haben es dann auf youtube gesucht und angesehen.

Zum Beispiel diese grossartige Live Aufzeichnung von „Under Pressure“ mit Bowie und Mercury:

Generell war ich echt total erstaunt wie reichhaltig das Angebot diesbezüglich bei youtube ist –  es gab original nicht eine Szene die wir nicht gefunden hätten.

Auf einer der nächsten Parties schwebt mir vor mit einer Youtube Playlist und einem Beamer zu arbeiten – ich glaube das käme ziemlich gut.

Kann jedenfalls jedem empfehlen mal so einen alternative Zapp-Abend mit Youtube zu machen.

Twitterlesung 1.0 – Innovativ wie ein Opel Astra

Habe gerade gesehen, dass auf der re:publica09 die nächste Twitterlesung stattfindet. Das ist sehr schön, fand die twitterlesung von Anfang an grossartig und auch die zweite deutlich verbessert gegenüber der ersten.

Es gibt aber eine Sache die ich mir noch sehr wünschen würde – vielleicht finde ich ja Gehör…

Also: Die twitterlesung ist ja ein erstaunlich klassisches Format wenn man sich das mal überlegt. Da werden tweets ausgewählt, gesammelt, auf flickr zwischengespeichert, neu sortiert, in Powerpoint übertragen und dann – oftmals Wochen später – mit Beamer und lustigen Überleitungen vorgetragen.

Da ist hinsichtlich des Formates ungefähr so innovativ wie der neue Opel Astra. Und es bleibt auch weit hinter den eigentlich formatsprengenden Möglichkeiten und Herausforderungen von twitter zurück finde ich.

Was ich damit vor allem meine sind zwei Dinge: Zum einen Synchronizität. Zum anderen der Stream.

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Germanys Next Topmodel – die Selektions-Show

Das erstemal hatte ich die Assoziation beim Mega-Casting zu Beginn der aktuellen Staffel. Da kamen die Möchtegernmodels („Mädels“) die Rolltreppe runter und liefen den Laufsteg entlang. Zuerst in Fünfergruppen. Dann wurde das alles zu viel und man entschloss sich das Auswahlverfahren zu beschleunigen. Nun mussten die Mädels einfach laufen und durften nichtmal stehenbleiben, geschweige denn, dass jede einen Kommentar bekommen hätte. Sie hatten also nur die paar Sekunden des Einlaufens und dann den Wendepunkt wo man alles tun musste um die Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn man dann nicht herausgeholt wurde musste man zurücklaufen und wieder ab ins Nichts der Realschulkarriere.
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Hollywood, Mon Amour

Man kann Leute meiner Generation relativ gut danach einordnen ob Sie eher von Flashdance, Staying Alive oder Dirty Dancing geprägt wurden in einer bestimmten Phase.

Bei mir war es ganz klar Flashdance. Es ist noch unfassbar präsent. Der Film hat sich wirklich sehr tief in das emotionale Grundgerüst eingearbeitet und kommt da auch nicht mehr raus. (unnötig zu sagen dass ich ihn kürzlich nochmal sehen konnte und es mir alles total peinlich war. Ausserdem habe ich mich gewundert wie geistlos, langweilig und unerotisch der Film ist im Vergleich zu meiner Erinnerung)

flashdance1

Irgendwie wird man ja älter und entwickelt sich glücklicherweise. Aber ich meine dass diese prägenden Eindrücke trotzdem bleiben und irgendwie in der Tiefe bereitstehen sozusagen. Umso spannender also die Frage wie man damit umgeht, wie man das vielleicht sogar mitentwickeln könnte.

Für meine Flashdance-Geschichte ist mir heute abend die Lösung präsentiert worden.

Bitte hört Euch den Titelsong hier mal an:

Hollywood, Mon Amour

Was für eine geile Interpretation! Für mich ist es nahezu zu 100% getroffen wie ich Flashdance heute gerne in meinem emotionalen Grundgerüst verankert sähe. Genau so.

Ich gebe es zu, ja es gibt ein twitter-race bei nugg.ad

Bei nugg.ad twittert ja praktisch jeder, aber es gibt derzeit eine Leader-Gruppe aus @horax, @etorsten und (nach zähem Aufholkampf und nur weil @matejunkie sich hinter einer geheimen Identität zurückgezogen hat) @holadiho.

Ich kann es natürlich nicht auf mir sitzen lassen, dass ich nur #3 bin in diesem race, ergo beobachte ich regelmässig (bzw. mein PR Team) die Einschaltquoten über den grossartigen Dienst twittercounter.com (http://twittercounter.com/compare/holadiho/horax/etorsten/all).

Ich kann da jetzt offen drüber sprechen weil ich gerade dabei bin den @etorsten endlich auf die Plätze zu verweisen und die finale Aufholjagd auf @horax einläuten kann.

twitter-race

(PS: natürlich ist für mich auch Qualität viieel wichtiger als Quantität und die Zahl der Follower spielt eigentlich gar keine Rolle. Ach ja, und man sieht überhaupt nur mit dem Herzen gut und so.)

brandeins ist oft nur hohles Gequatsche

Mir ist gerade etwas klargeworden worüber ich im Prinzip nachdenke solange ich die brandeins lese – und das ist schon lange…

Die brandeins ist natürlich erstmal ein tolles Wirtschaftsmagazin das sich angenehm von den anderen am Markt abhebt. Weniger BWLer Lektüre, weniger Tagesgeschäft und Aktienkursfixiert, visionärer, besser geschrieben.

Jedes Magazin hat natürlich trotzdem seine Schwachstellen – im Fall der brandeins sind das ganz klar die (alle) Texte von Wolf Lotter der irgendwas mit der Herausgeberin haben muss weil man sich anders nicht erklären kann wieviel Platz ihm im Heft eingeräumt wird. Leider werden ihm so oft wichtige Aufmacher-Artikel zugeschoben die dann halt komplett unlesbar sind – so what. Das Editorial der Herausgeberin wiederum ist auch nicht grad ein Magnet der einen in das Heft reinzieht aber das gelingt beim Editorial ja auch nur selten.

Aber eine Sache beschäftigt mich schon lange ich konnte sie nur nie benennen – so ein Unbehagen und eine zurückbleibende leise Unzufriedenheit beim Lesen der Texte die meist von irgendwelchen Unternehmen handeln.
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San Francisco bald ganz ohne Tageszeitung?

Wie heute in spon zu lesen steht die einzige noch verbliebene vernünfitge Tageszeitung in SF, der Chronicle offenbar ganz kurz vor dem Aus.

Experiment in San Francisco: Bürger sollen den Zeitungstod stoppen – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt.

Das finde ich unfassbar. Irgendwie nimmt diese Print-Krise langsam Ausmasse an die mir nicht mehr geheuer sind. Ich bin damit gross geworden dass man sich über „seine“ Zeitung definiert. Dass es selbstverständlich ist eine Zeitung abonniert zu haben. Dass man Zeitungsartikel im Deutschunterricht rauf und runter bespricht (deshalb habe ich leider bis heute eine Grundabneigung gegen die Süddeutsche wegen 100x Analysen des Streiflichts).

Sollte es wirklich dahin kommen dass grosse Tageszeitungen für immer verschwinden – auch in Deutschland? Ich befürchte davon sind wir auch nicht mehr weit entfernt.

Übringes gehörte zu dem obigen Zeitungs-Emanzipations-Prozess natürlich auch sich von der dämlichen Lokalzeitung irgendwann wegzubewegen zu taz und faz usw. (oder Handelsblatt…). Insofern könnte man sagen ist nicht so schlimm wenn die kleinen Lokalblätter kaputtgehen. Aber 1) habe ich selbst jahrelang den Allgäuer Anzeiger ausgetragen in meinem Heimatort und 2) tut mein Vater dies heute noch und 3) hätte er sonst nichts zu lesen am morgen. Also dürfen auch lokale Zeitungen nicht sterben.

Was mich aber vor allem beschäftigt ist die Frage was danach kommen soll? Kindle? Epaper? Oder Facebook und Konsorten?

Das was eine gute Tageszeitung ausmacht kann nicht mal annähernd durch diese „tools“ ersetzt werden, ich glaube das ist jedem klar.

Absurderweise hat dies meiner Ansicht nach vor allem mit dem störrischen Wesen der Zeitung zu tun im Zeitalter von permanent nach persönlichen Vorlieben vorgefilterter Facebook-Weichspülkost. Die Zeitung lehrt und erzieht und zeigt uns jeden Tag Dinge die wir nicht gesucht und auch nicht geahnt hätten. Sie klärt auf und sorgt für eine Breitensozialisation mit den Schützenvereinen (ja mann winnenden), Sportfesten und Kirchchorvorführungen. Sie geht unerwartet in die Tiefe und schafft es sogar eine Premierenbesprechung die 500km entfernt vor zwei Tagen stattfand lesenswert erscheinen zu lassen. Zeitung ist auch Macht, Gegenmacht und Transparenz, eine ständige Gefahr für Maggelei und Seilschaftentum. An Ihr reibt sich die lokale Intelligenz, die Möchtegernliteraten und Kleinkünstler.

Es darf einfach kein Zeitungssterben geben.