Monatsarchiv: Januar 2008

„Targeting“ bei der ISAF – ein ekelhaftes Interview in der FAZ

Meine alltägliche Arbeit hat viel mit Behavioral Targeting zu tun – einer Technik um Leuten Werbung einzublenden passend zu Seiten die sie vorher besucht haben. Wir haben damals mehrfach überlegt ob man so eine friedliche Technik wirklich so nennen sollte weil ja „Targeting“ durchaus auch irgendwie militärischen Beigeschmack hat. Heute habe ich es erstmalig wirklich bereut dass wir es damals dennoch so belassen haben.
Muss nämlich in der FAZ von heute ein ekelhaftes Interview („Auch über Panzer nachdenken“) mit einem feist grinsenden Bruno Kasdorf lesen (das Bild von ihm ist nur in der Print-Version zu sehen) – einem deutschen ISAF-General. Ein Auszug:

„FAZ: Ist das sogenannte Targeting, gezieltes Ausschalten gegnerischer Kämpfer, ein Vorgehen der Isaf wievon OEF?

Kasdorf: Das gibt es in beiden Operationen. Das ist Teil des Targeting, das ist Teil der Operationsführung.

FAZ: Das heisst, dass man es in bestimmten Situationen nicht darauf ankommenlässt, dass man Personen gefangen nimmt, sondern es darum geht, sie zu töten.

Kasdorf: Es ist erstmal unser Ziel, die Personen gefangen zu setzen. Aberes kann natürlich auch durchaus sein, dass bestimmte Personen gezielt ausgeschaltet werden.“

(hier auch online auf faz.net)

Wo sind wir eigentlich hingekommen?

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Macworld Expo Keynote: funktionierender Link

Man muss nicht viel dazu sagen – das Air Notebook ist einfach der Wahnsinn. Habe nur lange rumgesucht um einen funktionierenden Link für die Keynote gefunden – hier ist er:

http://events.apple.com.edgesuite.net/f27853y2/event/index.html?internal=fj2l3s9dm

Aus dem Zimmer kriechen

Es gibt Dinge die kennen nur Eltern – die kann man sich einfach ohne Selbsterleben nicht vorstellen. Z.B. aus dem Zimmer kriechen. Also wenn die Tochter endlich eingeschlafen ist auf dem Arm, wie man sie dann gaaannnz langsam hinlegt weil sie bei jeder kleinsten Zuckung schon wachzuwerden droht. Wie man sie mit dem Arm noch drunter hinlegt und minutenlang sich nicht traut den Arm rauszuziehen. Wie man es versucht und auf das leiseste jömeln ihn sofort wieder an die alte Stelle bringt – für weitere endlose Minuten. Wie man ihn endlich rausbekommt ohne dass sie es merkt. Wie man versucht ohne jegliches Geräusch jetzt vom Bett aufzustehen, am besten nur durch langsame Verlagerung des Gewichtes. Wie man sich entscheidet gleich gar nicht aufzustehen (weil sie es sehen könnte, zumindest die Änderung im Schatten). Wie man also sich auf den Boden gleiten lässt in Zeitlupe, immer in der Hoffnung dass keines der Gelenke knacken wird. Wie man sich schliesslich auf allen vieren auf dem Kinderzimmerboden wiederfindet und leise kriechend das Zimmer verlässt.

Franziska Drohsel: SPD vernichtet sich jetzt auch von unten

Wie behindert ist eigentlich diese Frau? „Und ich finde auch dass Kurt Beck eine grosse Unterstützung bekommen sollte und ich finde auch dass und ich finde ausserdem auch dass“. Und das alles mit diesem Papa-kuckt-bestimmt-zu Dackel-Blick (z.B. hier: http://uncutvideo.aol.de/tags/franziska-drohsel). Und die wird auch noch dem linken Flügel zugerechnet, gruselig. Erobern jetzt die Sozialpädagogen den Sozialismus? Also wenn ich mir den Beck anschaue und die Drohsel und den Scholz + den Popbeauftragten und bedenke, dass selbst die Nahles mit jedem Jahr Münte verbeissen immer pummeliger wird dann frage ich mich doch ob die SPD längst ein Filialbetrieb von Herrn Kamps geworden ist? Oder sind das Drohnen oder so?

Versicherungen ignorieren den Datenschutz

Mit grosser Freude habe ich heute festgestellt dass die Versicherungsbranche und Ihre Praktikten in Sachen Datenschutz aktuell endlich mal wieder am Pranger stehen. Insbs. die Praxis in einer zentralen Datei Antragsdetails Versicherer-übergreifend zu speichern und und verfügbar zu machen steht zu recht im Kreuzfeuer und wurde von Thilo Weichert vom ULD gerügt (siehe heutigen heise-artikel dazu).

Ich habe persönlich erst kürzlich einen unglaublichen Fall von Datenmissbrauch mit der Europa-Versicherung erlebt, und zwar so:

Ich hatte für meine Familie eine Risiko-Lebensversicherung in nicht zu grosser Höhe für den Fall der Fälle abgeschlossen. Genaugenommen hatte die Versicherung meine Frau abgeschlossen, ich war nur die versicherte Person. Nun ergab es sich wenige Monate später, dass meine Firma ebenfalls eine Risiko-LV auf meine Person abschliessen wollte um sich für einen Ausfall abzusichern. Da mir die Europa eine gute und halbwegs preisgünstige Wahl zu sein schien haben wir den Antrag einfach wieder dort eingereicht. Wohlgemerkt, Antragsteller war nun die Firma, versicherte Person natürlich wieder ich. Diesmal gab ich korrekterweise bei den medizinischen Fragen einen zwischenzeitlich festgestellten Bluthochdruck an.

Was nun passierte ist wirklich unglaublich. Auf den Firmenantrag selbst kam zunächst mal gar keine Reaktion. Wer stattdessen kommentarlos Post erhielt (vor allem ohne jegliche Info an mich oder die Firma geschweige denn eine Art Einverständnis) war meine Frau. Die Versicherung bedankte sich für die Mitteilung der zusätzlichen medizinischen Details. Nett, oder? Kurz darauf kam noch ein Schreiben in dem meine Frau darauf hingewiesen wurde, dass aufgrund eines nachträglich festgestellten Bluthochdrucks die abgeschlossene Risiko-LV in der Form leider nicht aufrecht erhalten werden könnte. Meine Frau wurde vor die Wahl gestellt entweder einen deutlich höheren Beitrag zu zahlen oder die Kündigung hinzunehmen. Vorsorglich wurde die Kündigung auch direkt schon ausgesprochen.

Da wurden also ohne jegliche Einwilligung medizinische Details die ich im Rahmen des Firmenantrags abgegeben hatte an meine Frau weitergeleitet und daraufhin auch Ihr Vertrag gekündigt. Das ist doch mal ein solides Verhältnis zum Datenschutz, hm? Auf meine empörte Nachfrage hin kam ein flapsiges Schreiben zurück das den ganzen Vorgang als rechtmässig darzustellen versuchte. Nicht dass ich meiner Frau meinen Bluthochdruck verheimlichen wollte, darum geht es nicht (nur falls jetzt wieder die „wir haben doch nichts zu verheimlichen-Fraktion“ um die Ecke gebogen kommt). Es hätte aber z.B. auch eine HIV Infektion sein können. Und beim nächsten mal wird vielleicht die Firma einfach mal über ein paar aktuelle news aus meiner Krankenakte informiert und zur Zahlung erhöhter Beiträge aufgefordert, hm?

Ganz abgesehen davon, dass der Umgang mit den Kunden in diesem Fall natürlich jeder Beschreibung spottet finde ich den Umgang mit vertraulichen Daten wirklich unter aller Sau. Da sind andere Datenschutzvergehen die derzeit in der Diskussion sind (z.B. studiVZ) wirklich absolut harmlos dagegen. Und es sprich alles dafür, dass der geschilderte Fall keine Ausnahme ist sondern eher die gängige Praxis der Versicherungen widerspiegelt. Wenn man jetzt noch überlegt welch vertrauliche Daten die von uns haben (man denke nur an private Krankenversicherungen z.B.) dann wird einem ganz schlecht. Ich würde mir wünschen, dass die Versicherungen für diese Praxis einen gehörigen Gegenwind erfahren, sowohl von Seiten der Verbraucher als auch von offizielleren Stellen.

Besonders perfide wird das Ganze übrigens wenn man bedenkt, dass der Staat immer mehr Leistungen wie z.B. die Berufsunfähigkeit faktisch an private Anbieter abgibt und wir insofern häufig nur die Wahl haben den Schutz entweder ganz zu verlieren oder uns den oben geschilderten Zuständen zu unterwerfen. Das ist wirklich ekelhaft.